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Doppelte Software entdecken: Wie Overlap- und Fingerprint-Matrix in Stunden finden, was Audits monatelang übersehen

Funktionale Überlappungen, redundante Services, ungenutzte Lizenzen — in jeder mittelgroßen IT verstecken sich sechs- bis siebenstellige Einsparpotenziale. So machen Sie sie systematisch sichtbar.

knooingJuni 20267 min read

In einem typischen mittelgroßen Unternehmen laufen 150 bis 400 Softwareanwendungen parallel. Erfahrungswerte aus IT-Portfolio-Analysen zeigen: 15 bis 30 Prozent davon erfüllen funktional dieselbe Aufgabe wie eine andere Anwendung im Haus. Drei Projektmanagement-Tools, vier Videokonferenz-Lösungen, zwei Ticket-Systeme, ein halbes Dutzend Reporting-Plattformen — selten als bewusste Entscheidung, fast immer als Folge historisch gewachsener Strukturen, Abteilungsautonomie und Cloud-Abos auf Kreditkarten einzelner Mitarbeitender.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass diese Redundanzen existieren. Das Problem ist, dass sie unsichtbar bleiben. Wer redundante Tools nicht sieht, kann sie nicht konsolidieren — und zahlt jedes Jahr aufs Neue für dieselbe Funktion in vier verschiedenen Verträgen.

Warum klassische Inventare Redundanz nicht zeigen

Ein gewöhnliches IT-Inventar listet Anwendungen alphabetisch oder nach Hersteller. Es beantwortet die Frage „Was läuft bei uns?" — aber nicht die für die Konsolidierung entscheidende Frage „Was läuft bei uns doppelt?"

Letzteres erfordert zwei Perspektiven, die in den meisten Excel-Listen schlicht fehlen:

  1. Funktional: Welche Anwendungen erfüllen denselben Geschäftszweck, auch wenn sie unterschiedlich heißen und von unterschiedlichen Herstellern stammen?
  2. Technisch: Welche Anwendungen sind sich in Datenmodell, Schnittstellen und Architektur so ähnlich, dass eine technische Konsolidierung realistisch ist?

Beide Fragen lassen sich systematisch beantworten — wenn man die richtigen Werkzeuge einsetzt.

Die Overlap-Matrix: funktionale Doppelarbeit sichtbar machen

Die Overlap-Matrix vergleicht alle Anwendungen Ihres Portfolios paarweise gegen ein gemeinsames Capability-Modell. Jede Anwendung wird einer oder mehreren Business Capabilities zugeordnet — etwa „Vertragsverwaltung", „Spesenabrechnung", „Marketing-Automation". Anschließend wird sichtbar, an welchen Stellen mehrere Tools dieselbe Capability bedienen.

Typische Befunde aus der Praxis:

  • Drei verschiedene Projektplanungs-Tools, jedes mit aktiven Lizenzen für 40 bis 120 Nutzer
  • Zwei Ticket-Systeme, eines für die IT, eines aus einer M&A-Übernahme, beide noch im Produktivbetrieb
  • Vier Reporting-Plattformen, je eine pro Fachbereich, alle mit Lizenzkosten zwischen 30.000 und 80.000 Euro jährlich

Der Wert dieser Sicht liegt nicht in der Liste selbst, sondern in der Diskussionsgrundlage: Ein Heatmap-View, der pro Capability die Zahl der konkurrierenden Tools zeigt, macht Konsolidierungsgespräche zwischen IT und Fachbereichen in Minuten messerscharf — statt in monatelangen Workshops vorsichtig zu umkreisen, was alle ohnehin schon ahnen.

Die Fingerprint-Matrix: technische Ähnlichkeit automatisch erkennen

Funktionale Überlappung ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte ist technische Ähnlichkeit — und sie ist deutlich schwerer manuell zu erfassen.

Eine Fingerprint-Matrix vergleicht Anwendungen anhand ihrer technischen Eigenschaften: Datenklassifizierung, Schnittstellentypen, Hosting-Modell, Authentifizierungsverfahren, integrierte Systeme, Compliance-Anforderungen. Aus diesen Merkmalen entsteht ein „Fingerprint" pro Anwendung — und Anwendungen mit hoher Fingerprint-Ähnlichkeit sind plausible Kandidaten für eine technische Konsolidierung.

Beispiel: Zwei CRM-Systeme mit identischem Datenmodell, beide an dasselbe ERP angebunden, beide mit denselben SAML-Identitätsprovidern verbunden. Funktional erkennt das jeder. Aber dass die Konsolidierung technisch in vier statt vierzig Wochen machbar ist, weil 80 Prozent der Schnittstellen-Logik identisch sind — das zeigt erst der Fingerprint.

Service-Redundanz: dieselbe Frage, eine Ebene tiefer

Unter den Anwendungen liegt eine zweite Schicht, in der Redundanz noch häufiger auftritt: die Service-Ebene. Ein Service ist eine fachliche Funktion — „Adressvalidierung", „PDF-Generierung", „E-Mail-Versand", „Geocoding". Während Anwendungen sichtbar sind, weil sie Lizenzkosten und Logos tragen, bleiben Services oft unsichtbar — und werden in unterschiedlichen Abteilungen mehrfach eingekauft oder selbst gebaut.

Ein Service-Redundanz-Detektor gruppiert alle Services pro Capability und zeigt, wo derselbe fachliche Service mehrfach existiert. In großen Organisationen finden sich hier regelmäßig acht- bis zwölffache Redundanzen — ein Geocoding-Service in zehn Abteilungen, jeder mit eigenem Vertrag oder eigener Selbstentwicklung.

Quick Win

Beginnen Sie nicht mit dem gesamten Portfolio. Wählen Sie drei Capabilities mit dem höchsten Kostenanteil — typischerweise Collaboration, ITSM und Reporting — und lassen Sie nur dort Overlap- und Fingerprint-Matrix laufen. 80 Prozent des Einsparpotenzials liegen erfahrungsgemäß in 20 Prozent der Capabilities.

Von der Analyse zum Business Case

Eine Redundanz zu erkennen ist nur der erste Schritt. Damit aus dem Befund eine Konsolidierungsentscheidung wird, müssen drei Zahlen pro Kandidatenpaar vorliegen:

  1. Einsparpotenzial: Lizenzkosten plus Wartung plus interner Betriebsaufwand der zu eliminierenden Anwendung — über drei bis fünf Jahre kumuliert.
  2. Migrationsaufwand: Realistische Schätzung in Personentagen für Datenmigration, Schnittstellen-Umbauten, Schulung und Change-Management.
  3. Abhängigkeiten: Welche Geschäftsprozesse, Schnittstellen und Vertragslaufzeiten stehen einer Konsolidierung im Weg?

Eine Plattform, die diese drei Zahlen pro Redundanz-Paar liefert und sie automatisch in eine Aufwand-Nutzen-Matrix einsortiert, verkürzt die Zeit zwischen „wir vermuten Doppelarbeit" und „wir haben einen genehmigten Business Case" von Monaten auf Wochen.

Was sich verändert, wenn Redundanz sichtbar wird

Unternehmen, die Overlap- und Fingerprint-Analysen nicht als Einmalprojekt, sondern als laufende Disziplin etablieren, berichten konsistent von drei Effekten:

  • Konsolidierungs-Quick-Wins in den ersten drei bis sechs Monaten, typischerweise 10 bis 20 Prozent des Lizenzbudgets
  • Bessere Beschaffungsentscheidungen, weil jede neue Software-Anfrage automatisch gegen das bestehende Portfolio gematcht wird
  • Stärkere Position in Verhandlungen, weil Hersteller wissen, dass Sie wissen, was Sie wirklich brauchen

Funktionale Redundanz ist kein Versagen einer IT-Organisation — sie ist die natürliche Folge gewachsener Strukturen. Sie unsichtbar zu lassen, ist allerdings eine Entscheidung. Und mit jedem Quartal, in dem sie unsichtbar bleibt, kostet diese Entscheidung Geld.

Wir haben unseren Tool-Wildwuchs jahrelang geahnt. Erst eine systematische Overlap-Analyse hat uns gezeigt, wo wir konkret ansetzen müssen — und in welcher Reihenfolge. Im ersten Jahr 1,4 Millionen Euro Einsparung, ohne dass ein Fachbereich Funktionalität verloren hätte.

CIO, deutsches Industrieunternehmen, 1.800 Mitarbeitende

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